Aktuelles 2020

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Der Mensch im Mittelpunkt

Marketing Forum

Künftig geht es nicht mehr nur um Produkte und Jobs. Werte rücken in den Mittelpunkt. Worauf müssen sich Unternehmen da einstellen?

Wofür steht eigentlich die aktuell angesagte Arbeitsweltbezeichnung „New Work“? Für Hendric Mostert ganz klar: „Arbeit, die ich wirklich will!“ Der Berater von der Kölner Plattform „Digital Misfits“ formulierte am Montag in der Oldenburger Kulturetage quasi als zentrale Frage für Arbeitnehmer: „Wofür stehe ich heute auf?“

Der rein wirtschaftliche Ansatz, man wolle seinen Lebensunterhalt verdienen, sei zwar schon mal „nicht schlecht“. Immer wichtiger aber werde der Sinn, die Entwicklung. Das Arbeitsumfeld müsse authentisch, wertschätzend und empathisch sein, sagte der Experte beim „7. Marketingforum Weser-Ems“ vor mehr als 150 Führungs- und Fachkräften.

Meistens geht es bei diesen Foren um neue Ansätze und Kanäle im Produktmarketing, um potenzielle Kunden optimal zu erreichen. An diesem Abend aber stand das Personalmarketing – also die Suche und das Halten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – im Mittelpunkt. Deutlich wurde: Bewerber ticken heute anders als vor einigen Jahren. Die Unternehmen sollten sich darauf einstellen.
Immer mehr Leute wollten sich „durch Arbeit als Mensch weiterentwickeln“, sagte eingangs Helmut Loerts-Sabin als Präsident des Marketingclubs Weser-Ems, der das Forum mit dem Arbeitgeberverband Oldenburg (AGV) gemeinsam organisiert hatte. Das könne nicht funktionieren, wenn das Unternehmen von den individuellen Zielen von Mitarbeitern weit entfernt sei. „Wir können uns keine unmotivierten motivierten Mitarbeiter leisten“, appellierte Loerts-Sabin an die Unternehmen, ihre Strukturen zu überdenken.

Ein Beispiel aus der Region stellte Robert Jabin von der Tourismus-Gruppe Upstalsboom (Emden)vor. Traditionell habe nur der Gast im Mittelpunkt gestanden, seit einem radikalen Wandel ab 2010 habe sich das stark gewandelt – und die Mitarbeiter stärker mit den Fokus gerückt. Hier gehe es um Fragen wie: Wer bin ich? Warum bin ich hier?

„Wir bieten dazu ein Buffet an Möglichkeiten“, sagte Jabin. Dazu gehört, drei Tage ins Kloster zu gehen oder andere Formate zur Selbstfindung auszuwählen.

Immer mehr Menschen in der Arbeitswelt fragten sich ja: „Passt das Unternehmen zu meinen Werten?“ Bei Upstalsboom sei ein Leitbild entwickelt worden – aber nicht von den Chefs oder einer externen Agentur, was üblicherweise dann auch oft nicht richtig gelebt werde, sondern von den Mitarbeitern selbst. Ergebnis sind „zwölf Werte“. Zweimal jährlich gebe es eine interne „Entwicklungswerkstatt“, zwei bezahlte freie Tage für soziales Engagement, zudem vermehrt konzeptionelle Gedanken zum Glücklichsein im Betrieb – und Pläne, für die Firma eine Stiftung zu gründen.

Wie man sich „ohne Chef“ betrieblich organisieren könnte, schilderte Stephan Peters von der Berliner Denkfabrik „betterplace LAB“. Dazu gehöre, dass jeder für sich entscheide, an welchen Projekten er sich beteiligt, und dass man Konflikte selbst erkenne und löse – ohne den klassischen Chef eben. Dafür habe man Strukturen entwickelt, auf die Beteiligte – je nach Situation und Entwicklung des Konflikts – zurückgreifen könnten. „Werte werden wichtiger“, betonte auch Peters. Ziel müsse sein, „jeden einzigen zu befähigen“, als ganzen Menschen- In Zukunft werde es vermehrt darum gehen, dass sich Kunden und Mitarbeiter nicht nur mit den Produkten, sondern auch mit den Werten von Unternehmen identifizierten, betonte Jürgen Lehmann, Hauptgeschäftsführer des mit gastgebenden Arbeitgeberverbandes Oldenburg. Dies funktioniere „aber nur, wenn Reden und Handeln im Einklang sind“. Nötig sei entsprechende Authentizität.